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Vorstellungsgespräch

Erzählen Sie etwas über sich: So verschenken Sie den Einstieg ins Bewerbungsgespräch nicht

Anna-Maria Inzinger
09. August 2026 · 3 Min. Lesezeit
Erzählen Sie etwas über sich: So verschenken Sie den Einstieg ins Bewerbungsgespräch nicht

Die Frage kommt fast immer zuerst – und fast immer wird sie verschenkt. „Erzählen Sie uns ein bisschen von sich selbst", und schon beginnt die Antwort bei der Unterstufe, mäandert durch zwei Ferialjobs und endet bei den Hobbys. Dabei ist das der einzige Abschnitt des Gesprächs, den Sie vollständig selbst steuern. Wer ihn vorbereitet, sitzt danach anders im Sessel.

Das Arbeitsmarktservice beschreibt die Selbstpräsentation als den klassischen Gesprächseinstieg – als Gelegenheit, berufliche Erfahrungen und Kompetenzen für genau diese ausgeschriebene Position zu zeigen. Genau darin liegt der Denkfehler vieler Berufseinsteiger:innen: Sie erzählen ihr Leben, statt ihre Passung zur Stelle zu erzählen. Das ist ein Unterschied wie zwischen einem Lebenslauf und einem Argument.

Halten Sie sich kurz. Das AMS rät dazu, kurz und prägnant zu bleiben, den Bezug zur Stellenausschreibung herzustellen, Stärken mit konkreten Beispielen zu untermauern und dabei authentisch und ehrlich zu bleiben. Als Faustregel aus der Praxis: Zwei bis drei Minuten genügen. Alles, was Sie danach noch sagen, sollten Sie sich für die Nachfragen aufheben – die kommen ohnehin.

Was Sie sicher nicht tun sollten

Die AMS-Seite zur Selbstpräsentation nennt drei No-Gos, und alle drei sieht man im Alltag ständig:

  • einen auswendig gelernten Text, der mechanisch wirkt
  • das Wiederholen des kompletten Lebenslaufs
  • eine Präsentation ohne jede Verbindung zur Stellenausschreibung

Das dritte ist das teuerste. Wenn Ihre Selbstvorstellung wortgleich auch bei einer anderen Firma funktioniert hätte, hat sie hier nichts geleistet.

Ein Aufbau, der trägt

Vier Schritte, in dieser Reihenfolge, reichen für die meisten Einstiegsbewerbungen:

  • Woher Sie fachlich kommen. Ihre höchste abgeschlossene Ausbildung mit dem Schwerpunkt, der zur Stelle passt – nicht die ganze Schullaufbahn.
  • Wo Sie es schon angewendet haben. Ein Praktikum, eine Bachelorarbeit, ein Nebenjob. Eines davon, nicht alle.
  • Was Sie dort konkret gemacht haben. Eine Aufgabe, ein Ergebnis, möglichst mit einer Zahl oder einem greifbaren Resultat.
  • Warum ausgerechnet diese Stelle. Ein Satz, der zeigt, dass Sie das Inserat gelesen haben.

So klingt das dann, zum Beispiel bei einer Absolventin, die sich auf eine Junior-Position im Rechnungswesen bewirbt: „Ich habe im Juni das Bachelorstudium Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Rechnungswesen und Controlling abgeschlossen. Während des Studiums war ich zwölf Monate geringfügig in einer Steuerberatungskanzlei, dort habe ich laufende Buchhaltungen für rund fünfzehn Klientinnen und Klienten vorbereitet und mit BMD gearbeitet. Was mich an Ihrer Ausschreibung angesprochen hat: Sie suchen jemanden, der die Monatsabschlüsse mit aufbaut – genau diesen Teil habe ich in der Kanzlei immer nur zugeliefert und würde ihn gern selbst verantworten."

Drei Sätze. Fachlicher Hintergrund, Praxisbeleg, Anschluss an die Stelle. Und ein offenes Ende, an dem das Gegenüber einhaken kann.

Lücken und Umwege ansprechen – ruhig

Ein abgebrochenes Studium, ein Jahr Kellnern nach der Matura, ein Wechsel der Studienrichtung: Solche Stellen im Lebenslauf werden nicht kleiner, wenn Sie sie umgehen. Sagen Sie in einem Nebensatz, was war, und was Sie daraus mitgenommen haben. Das AMS empfiehlt für die Vorbereitung ausdrücklich, potenzielle Schwachstellen vorab zu identifizieren und Antworten zu üben. Wer den Satz einmal laut gesagt hat, sagt ihn im Gespräch ohne Zögern.

Üben – aber nicht auswendig lernen

Der Widerspruch ist nur ein scheinbarer. Üben Sie die Struktur, nicht den Wortlaut. Das AMS rät, das Vorstellungsgespräch mit Personen aus dem Freundes- oder Familienkreis zu trainieren. Machen Sie das zwei- oder dreimal – und lassen Sie sich hinterher sagen, was hängen geblieben ist. Wenn Ihr Gegenüber nach zwei Minuten nicht wiedergeben kann, worauf Sie hinauswollen, war es zu viel Text.

Der Teil, den fast alle unterschätzen

Zum Vorstellungsgespräch gehört die vollständige Bewerbungsmappe, dazu Lebenslauf und Bewerbungsschreiben in ausgedruckter Form sowie Notizblock und Kugelschreiber – so steht es in den AMS-Hinweisen zum Vorstellungsgespräch. Der Notizblock ist kein Requisit. Auf der ersten Seite steht Ihre Fragenliste, und das AMS empfiehlt, diese Liste vorab zusammenzustellen. In der AMS-Übersicht zu den Fragen beim Vorstellungsgespräch heißt es sogar, die „mitunter wichtigsten Fragen im Bewerbungsgespräch" kämen von den Bewerber:innen selbst – etwa zu den Anforderungen der Position, zur Zusammensetzung des Teams oder zur Einarbeitung.

Eine Frage, die Berufseinsteiger:innen fast nie stellen und die viel verrät: „Wer hat diese Position vorher gemacht, und wie ist die Einarbeitung in den ersten Wochen organisiert?" Die Antwort sagt Ihnen mehr über den künftigen Arbeitsalltag als jede Karriereseite.

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Quellen

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