
Rund 1,9 Millionen Fahrgäste im Jahr bringt die Raaberbahn in Österreich an ihr Ziel, auf einer Strecke, die seit 1879 in Betrieb ist. Die Raab-Oedenburg-Ebenfurter Eisenbahn AG ist eine grenzüberschreitende Privatbahn zwischen Österreich und Ungarn, in Ungarn firmiert sie als Győr-Sopron-Ebenfurti Vasút, kurz GySEV. Der österreichische Betriebsteil sitzt seit 1933 in Wulkaprodersdorf im Burgenland, die Konzernzentrale in Sopron. Mehrheitseigentümer ist der ungarische Staat, die Republik Österreich hält gut ein Viertel der Aktien (Stand 2021).
Das Geschäft hat zwei Seiten. Die Raaberbahn fährt selbst Züge, und sie betreibt die Schiene, auf der gefahren wird. Im Personenverkehr verbinden ihre Ventus-Garnituren das Burgenland mit Wien und mit Sopron, die Hauptachse Győr–Sopron–Ebenfurth ist durchgehend elektrifiziert. Als Infrastrukturbetreiberin gehören dem Unternehmen zugleich Gleise, Bahnhöfe und Sicherungstechnik, die auch andere Eisenbahnunternehmen gegen Entgelt nutzen. Das Netz umfasst gut 509 Kilometer, davon 63,5 Kilometer auf österreichischem Gebiet (Stand 2021).
Die Gruppe dahinter reicht weit über das Burgenland hinaus. In Ungarn betreibt GySEV Güterverkehr, eigene Werkstätten und ein Hotel in Sopron, konzernweit arbeiten dort rund 2.200 Menschen. Am Standort Wulkaprodersdorf sind es etwa 190 (karriere.at, abgerufen im August 2026); eine eigene offizielle Beschäftigtenzahl für Österreich veröffentlicht das Unternehmen nicht. Gewachsen ist die Bahn zuletzt deutlich: Im Juli 2025 übernahm GySEV von der staatlichen MÁV-Gruppe den Betrieb auf 13 weiteren Strecken mit 752 Kilometern Länge.
Gesucht wird vor allem Technik. Wer eine Lehre in Gleisbautechnik beginnt, arbeitet auf dem Netz der Raaberbahn und der Neusiedler See Bahn. Sicherungstechnikerinnen und Sicherungstechniker halten Weichen und Signale in Betrieb, im Führerstand sitzen Triebfahrzeugführer:innen, und wer den Beruf noch nicht kennt, kann ihn hier von Grund auf lernen. Dazu kommen Aufgaben im Fahrdienst, im Fuhrparkmanagement und in der Verwaltung, wie die Mitarbeiterstimmen auf der Karriereseite zeigen.
Seit Mai 2026 bildet das Unternehmen selbst aus: In Wulkaprodersdorf ist eine eigene Schulungseinrichtung für Triebfahrzeugführer:innen in Betrieb, die erste ihrer Art im Burgenland, mit Simulator und praktischen Fahrübungen unter Anleitung erfahrener Instruktoren. Der erste Kurs startete am 4. Mai 2026 und richtete sich an international ausgebildete Lokführer, die die Berechtigung für österreichische Netze erwerben wollen. Bezahlt wird nach dem Kollektivvertrag der Privatbahnen. Das Unternehmen nennt in seinen Ausschreibungen außerdem eine betriebliche Zusatzpension, vollständige Berufszertifizierungen in der Weiterbildung und Teamevents.
Die Konzession für die Strecke unterschrieb 1872 noch Kaiser Franz Joseph. Zwei Weltkriege, den Eisernen Vorhang und mehrere Wirtschaftskrisen später fahren die Züge zwischen Ebenfurth und Sopron weiterhin.
Kolingasse 13/2/7
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Österreich