Welche Herausforderungen die Pflege zuhause mit sich bringt
Sowohl als zu pflegende Person als auch als pflegende Angehörige sind Sie mit Situationen konfrontiert, in denen es manchmal schwerfallen kann, sich zurecht zu finden. Das ist ganz normal und verständlich. Wir tun unser Bestes, Sie in dieser Zeit zu unterstützen und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Fragen, die sich Betroffene und Angehörige auf jeden Fall stellen sollten:
Was schaffen wir alleine und wobei brauchen wir Hilfe? Halten Sie sich dabei die folgenden Tätigkeiten vor Augen:
- Einkaufen, Kochen
- Reinigen der Wohnung
- Beheizen der Wohnung
- Waschen von Wäsche, Kleidung
- Körperpflege (Waschen, Frisieren, Rasieren, Mundpflege)
- Ankleiden, Auskleiden
- Gehen, Treppensteigen
- Aufstehen, Zubettgehen
- Gang zur Toilette
- Essen und Trinken
- Einnehmen von Medikamenten
- Blutdruckmessen, Injektionen
- Versorgung von Wunden, Inkontinenz, Katheter, Stoma
- Kontakt zu Freunden, Besuche
Ich wollte nie ein „Pflegefall“ werden und abhängig sein. Wie soll ich damit umgehen?
Viele Menschen empfinden es als Belastung, pflegebedürftig zu werden. Das ist verständlich – kaum jemand will mit Einschränkungen leben und abhängig sein. Und trotzdem: Den Themen Älterwerden, Gesundheit bzw. Krankheit und Pflege müssen sich fast alle Menschen im Verlauf ihres Lebens stellen.
Die gute Nachricht ist: So schwierig dieser Moment ist, mit der richtigen Unterstützung kann die Lebensqualität auch im Alter sehr hoch sein. Professionelle Dienste wie die Hauskrankenpflege oder die Heimhilfe sorgen dafür, dass Sie zu Hause gut betreut sind. Eine Fülle verschiedener Angebote wie Essen auf Rädern oder das Notruftelefon sorgen für Sicherheit und Komfort zu Hause. Auch Besuchsdienste oder der Austausch mit anderen Betroffenen sind eine gute Sache. Lassen Sie sich beraten. Ein Beratungsgespräch eröffnet Ihnen neue Möglichkeiten und entlastet Sie und Ihre Angehörigen.
Meine Mutter möchte keine fremden Menschen im Haus haben. Was kann ich tun?
Hier kommt verschiedenes zusammen, das oft zu Konflikten führt: Viele ältere Menschen möchten zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung leben. Manchen fällt es dabei schwer einzusehen, dass sie Unterstützung brauchen. Oder sie lehnen fremde Menschen im Haus ab. Viele Angehörige können – aus fachlichen, zeitlichen oder persönlichen Gründen – aber nicht die gesamte Pflege und Betreuung übernehmen.
Das ist normal und sollte Ihnen kein schlechtes Gewissen machen. In diesem Fall ist es sinnvoll, mit einem Pflege- und Betreuungsdienst zusammenzuarbeiten: Die Mitarbeiter/innen der Pflege- und Betreuungsdienste sind ausgebildete Profis. Sie folgen klaren Verpflichtungen und Richtlinien. Diskretion, Verschwiegenheit und Respekt vor der Privatsphäre ihrer Kundinnen und Kunden sind für sie selbstverständlich. Ebenso wichtig ist eine klare Kundenorientierung: Ein guter Pflege- und Betreuungsdienst geht bestmöglich auf Ihre Situation, Ihre Wünsche und Ihre Bedürfnisse bzw. die Ihrer Mutter ein und stimmt sich laufend mit Ihnen ab.
Nutzen Sie die Möglichkeit eines Beratungsgesprächs vor Ort, bei Ihrer Mutter zu Hause. Versuchen Sie, Ihre Mutter dafür zu gewinnen: Ein Gespräch mit einem erfahrenen Pflegedienst hilft, Vertrauen zu schaffen.
Ich tue alles für meinen pflegebedürftigen Mann, trotzdem ist er ungut zu mir. Warum?
Sie sprechen ein Problem an, das viele Angehörige betrifft: Menschen, die mit Einschränkungen leben müssen und auf Unterstützung angewiesen sind, können oft nur schwer mit dieser Situation umgehen. Von anderen abhängig zu sein ist für sie oft schlimm.
Deshalb richten sie ihre schlechte Laune oft genau auf jene, die ihnen besonders nahestehen – so wie es bei Ihnen und Ihrem Mann der Fall ist. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen: Je mehr Sie für Ihren Mann tun, desto stärker empfindet er die Abhängigkeit von Ihnen, und desto gereizter reagiert er auf Sie. Hinzu kommt, dass sich die gewohnten und eingespielten Rollen verändern. Das ist eine große Herausforderung. In solchen Momenten ist der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen oder auch das Gespräch mit einem Profi hilfreich. Zum Beispiel mit einer Psychologin/einem Psychologen oder einer Pflegefachkraft.
Entlastend ist es vielfach auch, Pflege- und Betreuungsdienste hinzuziehen. Wenn Sie nicht mehr die gesamte Unterstützung leisten müssen und Ihr Mann nicht bei allem und jedem einzig von Ihnen abhängig ist, kann das die Situation entspannen. So entsteht Raum für eine weniger belastete Beziehung.
Ich pflege meinen Mann und brauche tagsüber ein paar Stunden für mich selbst. Welche Möglichkeit gibt es für mich?
Eine gute Möglichkeit ist in diesem Fall ein Tageszentrum. In Tageszentren werden ältere Menschen tagsüber individuell betreut. Ein strukturierter Tagesablauf, bedarfsgerechte Betreuung, individuell abgestimmte Pflege und Therapie, Unterstützung und Beratung sorgen für Sicherheit und Komfort. Soziale Kontakte, Gruppen- und Einzelangebote wie beispielsweise Musik, Bewegung, Ausflüge und Veranstaltungen bieten ein anregendes Umfeld und fördern persönliche Fähigkeiten und Fertigkeiten. Lassen Sie sich beraten, ob ein Tageszentrum für Sie und Ihren Mann in Frage kommt.
Ich betreue meine zunehmend pflegebedürftige Mutter. Wie kann ich ihr sagen, dass mir manches zu viel wird, ohne sie zu kränken?
Einem nahestehenden Menschen zu sagen, dass einem die pflegerischen Aufgaben zu viel werden, ist schwierig. Aber es ist normal und auch legitim, dass Sie als Angehörige/r nicht alles übernehmen können und wollen, was die Pflege Ihrer Mutter erfordert. Sie haben eine besondere Beziehung zu Ihrer Mutter und nicht die Distanz und die Sicht eines Profis auf die Dinge. Dass für Sie manches schwer oder gar unmöglich ist, ist deshalb normal.
Versuchen Sie, Ihre Mutter zu überzeugen, dass eine Pflegeberatung sinnvoll ist. Sie hilft Ihnen, die Situation für beide bestmöglich zu gestalten. Eine neutrale, erfahrene Fachkraft kann vieles klären und dabei helfen, Vertrauen und Akzeptanz für professionelle Unterstützung zu schaffen.
Wir denken über ein Pflegeheim nach. Wann ist ein Heim die richtige Lösung?
Die meisten älteren Menschen möchten so lange wie möglich zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung leben. Dennoch gibt es Situationen, in denen die Pflege und Betreuung in einem Pflegeheim die bessere Lösung ist. Das trifft insbesondere in folgenden Fällen zu:
- Wenn der Pflegebedarf zu groß oder zu belastend ist.
- Wenn die ständige Anwesenheit von pflegenden Angehörigen erforderlich, aus verschiedenen Gründen aber nicht möglich ist.
- Wenn ein zu großes Risiko besteht, etwa ein hohes Sturzrisiko oder bei hochgradiger Demenz.
- Oder wenn kein soziales Umfeld existiert und Vereinsamung droht.
Ein gut geführtes Pflegeheim bietet professionelle Pflege und Betreuung sowie Service, Komfort und Sicherheit rund um die Uhr, eine angenehme, entspannte und anregende Atmosphäre, soziale Kontakte und Aktivitäten. Das entlastet Angehörige weitgehend.
Webtipps
Demenz / Alzheimer
Besuchen Sie die Hilfswerk-Webportale
ich-bin-dann-mal-alt.hilfswerk.at und mehr-als-vergesslich.hilfswerk.at
mit zahlreichen Informationen rund um das Älterwerden des Gehirns sowie hilfreichen Tipps für (pflegende) Angehörige von Menschen mit Demenz.
www.gesundheit.gv.at Information und Service rund um Demenz
www.alzheimer-selbsthilfe.at Alzheimer Selbsthilfegruppen in Österreich
www.alzheimer-gesellschaft.at Informationen zu Demenz der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft
www.deutsche-alzheimer.de Informationen rund um das Thema Demenz (insbesondere zur Alzheimer-Krankheit) und hilfreiche Tipps (Hinweis: Die rechtlichen und finanziellen Informationen beziehen sich auf die Rechtslage in Deutschland).
www.alz.ch Umfassende Informationen zur Erkrankung, zum Leben mit Demenz und praktische Hinweise und Tipps (Hinweis: Die rechtlichen, finanziellen und organisatorischen Informationen beziehen sich auf die Rechtslage in der Schweiz).
Pflegende Kinder & Jugendliche
Young Carers Beratungsstellen und Informationsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche, die ihre Angehörigen pflegen.
Buchtipps
- de Klerk-Rubin, Vicki. 2011. Mit dementen Menschen richtig umgehen. Validation für Angehörige. Ernst Reinhardt Verlag München-Basel
- Geiger, Arno. 2011. Der alter König in seinem Exil. Carl Hanser Verlag München
- Schützenhöfer, Erich. 2008. Das Recht der Alten auf Eigensinn. Ein notwendiges Lesebuch für Angehörige und Pflegende. Ernst Reinhardt Verlag München-Basel
- Klare, Jörn. 2012. Als meine Mutter ihre Küche nicht mehr fand. Vom Wert des Lebens mit Demenz. Suhrkamp Verlag Berlin
- Gatterer, Gerald. Croy, Antonia. 2005. Leben mit Demenz. Springer Verlag Wien
- Literaturliste Verein Alzheimer Austria www.alzheimer-selbsthilfe.at/angebote/literatur-filme
- Literaturliste der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. https://www.deutsche-alzheimer.de/unterstuetzung/literaturhinweise
Pflegeberatung Informieren Sie sich unverbindlich über Beratungsangebote und Dienstleistungen des Hilfswerks unter 0800 800 820 (gebührenfrei aus ganz Österreich). Spital, Therapie, Entlassung
Was sollten Sie nach einem Krankenhausaufenthalt beachten?
Wohnen, Leben, Haushalt
Wie Sie Ihr zu Hause anpassen und Stolperfallen vermeiden können.
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