

In Kapfenberg entsteht Stahl, der später in Flugzeugtriebwerken steckt, in Pressformen der Automobilindustrie oder in Bohrgestängen tief unter dem Meeresboden. Rund 2.140 Menschen arbeiten bei voestalpine BÖHLER Edelstahl, dazu kommen etwa 130 Lehrlinge. Das Unternehmen fertigt rund 200 Stahlsorten und gehört zur voestalpine-Gruppe. Produziert wird in der Obersteiermark.
Die Wurzeln reichen bis 1870 zurück, als die Brüder Albert und Emil Böhler in Wien ein Handelshaus für Werkzeugstahl gründeten. 1894 kam das Kapfenberger Stahlwerk dazu, 1900 folgte mit dem Schnellarbeitsstahl BÖHLER Rapid ein Produkt, das den Namen international bekannt machte. Seit der Übernahme von BÖHLER Uddeholm durch die voestalpine AG im Jahr 2008 gehört das Werk zum Konzern. Der Standort ist geblieben.
Hergestellt wird Spezialstahl in kleinen Mengen und hoher Güte. Aus den Werkzeugstählen entstehen beim Kunden später Schneid- und Umformwerkzeuge, die hochbelastbaren Sonderwerkstoffe gehen in Turbinen oder in die Öl- und Gasförderung. Rund 120.000 Tonnen verlassen das Werk pro Jahr in etwa 8.000 Transporten, verteilt über die ganze Welt. Den Umsatz gibt das Unternehmen mit 919,9 Millionen Euro je Geschäftsjahr an, ohne das Jahr auf seiner Website näher zu benennen. Dass in den Werkstoffen viel Entwicklungsarbeit steckt, zeigen 439 Patente in 33 Patentfamilien.
Im Oktober 2023 ging in Kapfenberg ein neues Edelstahlwerk in Betrieb, das erste Werk dieser Art in Europa seit vier Jahrzehnten. voestalpine hat 467 Millionen Euro investiert. Der Elektrolichtbogenofen läuft mit Strom aus erneuerbaren Quellen, die Abwärme geht ins Fernwärmenetz, und rund 8.000 Prozessdaten werden laufend erfasst und ausgewertet. Für Bewerberinnen und Bewerber ist eine Zahl aus der Eröffnungsmeldung besonders aufschlussreich: Das Werk sichert nach Konzernangaben rund 3.500 Arbeitsplätze an den steirischen Standorten Kapfenberg und Mürzzuschlag. Bei voll ausgelastetem Betrieb sind 205.000 Tonnen Edelstahl im Jahr möglich.
Die Berufsbilder sind entsprechend breit. An den Öfen und in der Umformung stehen Metallurgen und Schmiede, im Labor prüfen Werkstofftechniker die Proben, und in der Instandhaltung halten Mechatroniker und Elektrotechniker die Anlagen am Laufen.
Lehrlinge bildet das Unternehmen seit 1928 aus. Wer hier beginnt, verdient im ersten Lehrjahr rund 1.071 Euro monatlich, im vierten rund 2.152 Euro. Seit Herbst 2025 stehen direkt beim Ausbildungszentrum 60 möblierte Apartments bereit, für alle, die einen zu weiten Anfahrtsweg haben. Gelernt wird dort, wo auch produziert wird: in Kapfenberg, in jenem Werk, das die Familie Böhler 1894 übernommen hat.
Mariazeller-Straße 22
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Österreich