
Über eine Milliarde Bilder hat die Software von Celantur bisher anonymisiert. Sie findet Gesichter, Kennzeichen, Personen und Fahrzeuge in Fotos und Videos und verpixelt sie automatisch, bevor die Aufnahmen weiterverwendet werden. Gebaut wird das in Linz, in der Tabakfabrik. Acht Leute arbeiten dort an einem Produkt, das im Juni 2026 auf allen sechs bewohnten Kontinenten im Einsatz war (brutkasten, 15.06.2026).
Gegründet wurde die Celantur GmbH im Februar 2020, geführt wird sie bis heute von den beiden Gründern, Alexander Petkov als CEO und Boyang Xia als CTO. Das Problem, an dem sie arbeiten, wächst mit jedem Jahr. Wer Straßen vermisst, Baustellen dokumentiert oder Fahrassistenzsysteme trainiert, fotografiert unweigerlich auch Passanten und Autokennzeichen mit. DSGVO und EU AI Act verlangen, dass diese personenbezogenen Daten geschützt werden, und genau diesen Arbeitsschritt automatisiert Celantur, damit niemand mehr Bilder von Hand schwärzen muss.
Die Technik gibt es in mehreren Ausbaustufen, je nachdem, wie der Kunde arbeitet. Kleinere Teams laden ihre Bilder über den Cloud-Dienst hoch. Große Kunden lassen einen Docker-Container in der eigenen Infrastruktur laufen, damit die Daten das Haus nie verlassen. Für Echtzeitverarbeitung direkt am Gerät gibt es ein C++-SDK. Verarbeitet wird in Rechenzentren in der EU, dazu kommen nachvollziehbare ML-Reports und Unterlagen zur AI-Act-Konformität.
Die Kundenliste ist für ein Unternehmen dieser Größe bemerkenswert. Daimler Truck und Huawei stehen darauf, ebenso der Baukonzern STRABAG und die Stadt Detroit. Über 85 Firmenkunden zählte Celantur im Juni 2026, aus Vermessung und Mobile Mapping, aus der Bauwirtschaft und aus der Entwicklung autonomer Fahrzeuge. Gewachsen ist das Unternehmen dabei weitgehend aus eigener Kraft: Außer einer frühen Förderung aus dem FFG-Basisprogramm hat es kein Wagniskapital aufgenommen. Wer hier einsteigt, arbeitet also an einem Produkt, das sich am Markt bereits selbst trägt.
Entsprechend technisch sind die Rollen. Gesucht werden Senior Software Engineers für Python, C++ und Rust sowie Ingenieurinnen und Ingenieure für Machine Learning und Computer Vision, dazu eine Performance-Rolle für die ML-Produkte und eine Position im technischen Vertrieb. Auch Studierende finden einen Einstieg, etwa über ein Praktikum in der Bildannotation. Im Team sitzt ein promovierter theoretischer Physiker, der sich um Algorithmen und Rechenleistung kümmert, daneben Machine-Learning-Leute, die der Software beibringen, Personen auch bei schlechtem Licht zu erkennen. Bei acht Personen trägt jede Einzelne sichtbar Verantwortung für ein Stück des Produkts.
Das Büro liegt am Peter-Behrens-Platz in der Tabakfabrik Linz, mitten in der oberösterreichischen Startup-Szene. Gearbeitet wird hybrid, mit Homeoffice-Option innerhalb Österreichs, Vollzeit sind 38,5 Wochenstunden, einzelne Stellen sind auch in Teilzeit möglich. Für die Vertriebsposition nennt das Unternehmen ein Mindestgehalt von 42.000 Euro brutto im Jahr plus Bonus und Bereitschaft zur Überzahlung; für die technischen Rollen sind die Gehaltsbänder öffentlich nicht ausgewiesen.
Altenberger Straße 69
4040 Linz
Österreich